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Grundsatzentscheidung

ETF oder Aktien? Der Unterschied in Kosten und Risiko

ETF oder Einzelaktien ist keine Glaubensfrage, sondern eine Abwägung aus drei Zutaten: Streuung, Zeitaufwand und Kosten. Die ersten beiden sind schnell erklärt. Die dritte rechnen wir mit belegten Ordergebühren durch, weil dort der Unterschied am konkretesten wird.

Der Kern des Unterschieds: ein Wertpapier, viele Unternehmen

Mit einer Aktie kaufst du einen Anteil an genau einem Unternehmen. Ein ETF (Exchange Traded Fund) bildet einen Index nach und verteilt dein Geld mit einem einzigen Kauf auf alle enthaltenen Titel, bei einem Weltindex auf hunderte bis tausende Unternehmen. Beides sind börsengehandelte Wertpapiere, beides ist im Depot Sondervermögen. Der Unterschied liegt darin, wer die Auswahl trifft: beim ETF die Indexregel, bei der Einzelaktie du.

Risiko: Streuung ist der einzige Gratis-Vorteil

Das Risiko einer Einzelaktie ist existenziell: Ein Unternehmen kann scheitern, und mit ihm die Position. Ein marktbreiter ETF kann das nicht; er schwankt mit dem Markt, aber der Totalausfall aller enthaltenen Firmen ist praktisch ausgeschlossen. Diese Streuung kostet keine Rendite-Erwartung, deshalb gilt sie in der Finanzökonomie als der eine Vorteil, den es umsonst gibt. Wer Einzelaktien hält, trägt zusätzliches Risiko, das der Markt nicht systematisch vergütet, und braucht dafür einen Grund.

Die Kostenrechnung: Portfolio-Aufbau mit 250,00 € im Monat

Angenommen, du legst monatlich 250,00 € an. Der ETF-Weg ist ein Sparplan; die Ausführung kostet bei den meisten von uns ausgewerteten Brokern 0 Euro (die belegten Sparplan-Konditionen stehen in ETF für Anfänger). Der Einzelaktien-Weg ist eine monatliche Kauforder, und die kostet je nach Anbieter sehr unterschiedlich, gerechnet mit unseren belegten Konditionen für eine Order über 250,00 €:

  • Scalable Capital: 0,99 € je Order, das sind 0,4 % des Anlagebetrags, 11,88 € im Jahr.
  • ING Direkt-Depot: 5,53 € je Order, das sind 2,2 % des Anlagebetrags, 66,30 € im Jahr.
  • Consorsbank: 9,95 € je Order, das sind 4 % des Anlagebetrags, 119,40 € im Jahr.

Eigene Berechnung aus den unten verlinkten Preisverzeichnissen (Stand 23.08.2026), ohne Aktionskonditionen. Spreads kommen hinzu.

Dazu kommt die Stückelung: Mit 250,00 € im Monat kaufst du genau eine Position. Ein Portfolio aus zwölf Einzelwerten ist erst nach einem Jahr aufgebaut, und jede spätere Umschichtung kostet erneut Ordergebühren. Der ETF hat dafür laufende Fondskosten (TER), die aus dem Fondsvermögen entnommen werden; ihre Höhe steht im Factsheet des jeweiligen Produkts. Die Größenordnungen sind aber verschieden: Orderkosten fallen bei jedem Handeln an, die TER einmal pro Jahr auf den Bestand.

Zeitaufwand: die unterschätzte Währung

Ein ETF-Sparplan ist nach der Einrichtung ein Automatismus. Ein Einzelaktien-Portfolio verlangt laufende Entscheidungen: Quartalszahlen, Gewinnwarnungen, Übernahmen, die Frage „nachkaufen oder verkaufen?". Das ist für manche der Reiz und für viele der Grund, warum aus dem Portfolio nach zwei Jahren ein Sammelsurium wird. Ehrlich beantwortet gehört diese Frage in die Entscheidung: Willst du ein Hobby oder eine Geldanlage?

Unsere Einordnung

Für den langfristigen Vermögensaufbau ist ein breit gestreuter ETF für die meisten der robustere Standard: gestreut, automatisierbar, und per Sparplan bei vielen Brokern ohne Ausführungskosten. Einzelaktien sind die richtige Wahl, wenn du bewusst vom Markt abweichen willst, die Kostenrechnung oben kennst und genug streust. Beides zusammen, ETF als Kern plus begrenzte Einzelpositionen, ist ein etablierter Mittelweg. Welches Depot für welchen Weg passt, zeigen der ETF-Sparplan-Vergleich und der Aktiendepot-Vergleich; erste Schritte stehen in Aktien für Anfänger. Wer zwischen den beiden größten Neobrokern schwankt, findet die Entscheidung im direkten Duell Trade Republic oder Scalable Capital.

Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wertpapiere unterliegen Kursschwankungen, ein Verlust des eingesetzten Kapitals ist möglich.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zu ETF oder Aktien

Sind ETFs sicherer als Aktien?+

Sie sind breiter gestreut, das ist etwas anderes als „sicher". Ein ETF auf einen Weltindex verteilt dein Geld auf hunderte bis tausende Unternehmen; die Pleite einer einzelnen Firma fällt kaum ins Gewicht. Dem Marktrisiko entkommst du damit nicht: In einem Crash fallen auch breit gestreute ETFs. Sie schalten das Einzelrisiko aus, nicht das Kursrisiko. Wie Aktien sind ETF-Anteile Sondervermögen und bei einer Broker-Insolvenz geschützt.

Kann ich mit Einzelaktien den Markt schlagen?+

Möglich ist es, wahrscheinlich nicht. Mit Einzelaktien weichst du bewusst vom Marktdurchschnitt ab, nach oben oder nach unten. Dazu kommen die höheren Kosten: Jeder Kauf und jede Umschichtung kostet Ordergebühren und Spread, und häufigeres Handeln ist bei Einzelaktien der Normalfall. Wer die Marktrendite will, bekommt sie mit einem breiten ETF zuverlässiger und billiger.

Was kostet ein ETF laufend?+

ETFs berechnen laufende Fondskosten (Gesamtkostenquote, TER), die täglich anteilig aus dem Fondsvermögen entnommen werden. Du siehst sie nicht auf einer Abrechnung, sie mindern die Rendite direkt im Kurs. Die Höhe steht im Factsheet des jeweiligen ETFs. Einzelaktien haben keine laufenden Produktkosten, dafür fallen beim Aufbau und Umschichten des Portfolios mehr Orderkosten an.

Geht auch beides, ETF und Einzelaktien?+

Ja, und für viele ist das die praktikabelste Antwort: ein breit gestreuter ETF als Basis, dazu ein kleiner, klar begrenzter Anteil Einzelaktien für Titel, von denen du überzeugt bist. Dieses Vorgehen ist als Core-Satellite-Ansatz bekannt und wird in ETF für Anfänger genauer beschrieben.

Quellen5

Die Orderkosten der Beispielrechnung stammen aus den verlinkten Preisverzeichnissen der Anbieter.

  1. Scalable Capital — Broker-GebührenAnbieterdokumentationOrdergebühr FREE Broker, PRIME+ Abopreis, Sparplan-Ausführung, DepotführungAbgerufen am
  2. ING — Direkt-Depot: Ordergebühren und InklusivleistungenAnbieterdokumentationOrderentgelt-Formel, Höchstbetrag, Handelsplatzentgelte, ETF-Sparplan-Ausführung, DepotführungAbgerufen am
  3. ING — Preis- und LeistungsverzeichnisPreis- und LeistungsverzeichnisVollständiges Entgeltverzeichnis der ING-DiBa AGAbgerufen am
  4. Consorsbank — Unsere Preise & PreismodelleAnbieterdokumentationGrundentgelt, Provision, Mindest- und Höchstbetrag je Order (Status Silver)Abgerufen am
  5. Consorsbank — Preis- und Leistungsverzeichnis WertpapierdepotPreis- und LeistungsverzeichnisEntgeltverzeichnis WertpapierdepotAbgerufen am