Transparenz-Hinweis: depot-test.com finanziert sich über Provisionen (Affiliate). Für dich bleibt alles kostenlos. · Konditionen zuletzt geprüft am 11.08.2026
Kosten verstehen

Payment for Order Flow: was 0-Euro-Orders wirklich kosten

Die Ordergebühr ist nur die halbe Rechnung. Die andere Hälfte steckt im Kurs, zu dem deine Order ausgeführt wird. Genau dort lag jahrelang die stille Einnahmequelle der Neobroker.

Was Payment for Order Flow überhaupt ist

Wenn du in deiner Broker-App eine Aktie kaufst, führt der Broker die Order nicht selbst aus. Er leitet sie an einen Handelsplatz weiter. Bei Payment for Order Flow (PFOF, auf Deutsch „Rückvergütung für die Auftragsweiterleitung") zahlte dieser Handelsplatz dem Broker dafür Geld — je nach Modell einen festen Betrag pro Order oder einen Anteil am Handelsvolumen. Für den Handelsplatz lohnte sich das, weil Aufträge von Privatanlegern vergleichsweise klein und gut kalkulierbar sind und sich profitabel gegenrechnen lassen.

Für den Broker war es das Fundament eines ganzen Geschäftsmodells. Erst diese Zahlungen haben Ordergebühren von 0 oder 1 Euro betriebswirtschaftlich möglich gemacht. Das ist der Grund, warum die Neobroker-Welle in Deutschland genau in dem Moment kam, in dem PFOF hier üblich wurde.

Warum das ein Interessenkonflikt ist

Ein Broker ist verpflichtet, deine Order bestmöglich auszuführen — das ist die sogenannte Best-Execution-Pflicht. „Bestmöglich" umfasst Preis, Kosten, Geschwindigkeit und Ausführungswahrscheinlichkeit. Wenn ein Handelsplatz den Broker dafür bezahlt, dass er die Order genau dorthin schickt, entsteht ein struktureller Konflikt: Das Interesse des Brokers (Vergütung) und dein Interesse (bester Kurs) laufen nicht mehr automatisch parallel.

Die Kosten, die dadurch entstehen können, tauchen auf keiner Abrechnung auf. Sie stecken in der Differenz zwischen dem Kurs, zu dem du ausgeführt wirst, und dem Kurs, den du an einem Referenzhandelsplatz wie Xetra zum selben Zeitpunkt bekommen hättest. Bei einer Order über 1.000 Euro sind 0,1 Prozent Abweichung genau ein Euro — also so viel wie die komplette Ordergebühr, mit der viele Broker werben. Bei 10.000 Euro sind es zehn Euro.

Was sich rechtlich geändert hat

Mit dem MiFIR-Review, der Verordnung (EU) 2024/791, hat die EU PFOF verboten. Wertpapierfirmen dürfen für die Weiterleitung von Kundenaufträgen zur Ausführung keine Gebühren, Provisionen oder nichtmonetären Vorteile mehr annehmen. Mitgliedstaaten, in denen die Praxis zum Zeitpunkt des Inkrafttretens bereits bestand, durften eine Übergangsfrist bis zum 30. Juni 2026 gewähren. Deutschland hat sie voll ausgeschöpft. Seit dem 1. Juli 2026 ist Payment for Order Flow damit auch für deutsche Broker und deutsche Kundinnen und Kunden Geschichte.

Was das für dich als Anleger bedeutet

Eine wegfallende Einnahmequelle verschwindet nicht spurlos. Broker können die Lücke auf mehreren Wegen schließen, und jeder Weg trifft dich anders:

  • Ordergebühren oder Fremdkostenpauschalen — direkt sichtbar, gut vergleichbar, trifft Vieltrader am stärksten.
  • Abomodelle mit Flatrate — planbar, lohnt sich erst ab einer bestimmten Zahl von Orders im Monat.
  • Entgelte der Handelsplätze, die an dich weitergereicht werden — steht im Preisverzeichnis, oft je Handelsplatz unterschiedlich.
  • Zinsmarge auf nicht investiertes Guthaben — unsichtbar, trifft dich über einen niedrigeren Guthabenzins.
  • Zusatzprodukte wie Kreditkarten, Zinsangebote oder Vermögensverwaltung — freiwillig, aber Teil der Rechnung des Anbieters.

Für deine Entscheidung heißt das: Vergleiche nicht die Werbeaussage, sondern das aktuelle Preis- und Leistungsverzeichnis, und rechne mit deinem eigenen Anlageverhalten. Wer zweimal im Jahr einen ETF-Sparplan laufen lässt, hat ein völlig anderes Kostenprofil als jemand, der wöchentlich Einzelaktien handelt.

So prüfst du die Ausführung selbst

Du brauchst dafür kein Spezialwissen, nur zwei Kursquellen und etwas Disziplin. Notiere beim nächsten Kauf den Zeitpunkt deiner Ausführung und den erhaltenen Kurs. Vergleiche ihn anschließend mit dem Kursverlauf desselben Wertpapiers auf Xetra zur selben Minute. Achte besonders auf drei Situationen, in denen Abweichungen typischerweise größer ausfallen: außerhalb der Xetra-Handelszeiten, bei marktengen Werten mit wenig Umsatz und in Phasen hoher Volatilität, etwa direkt nach Quartalszahlen.

Ein einzelner Vergleich sagt wenig aus — die Kurse schwanken ohnehin. Aussagekräftig wird es erst über mehrere Orders hinweg. Genau deshalb ist Ausführungsqualität für Privatanleger so schwer zu greifen, und genau deshalb war der Interessenkonflikt bei PFOF regulatorisch ein Thema.

Wie wir damit in unserem Vergleich umgehen

Unsere Kosten-Teilnote bildet die veröffentlichten Gebühren ab: Ordergebühren, Depotführung, Sparplan-Ausführung, Handelsplatzentgelte. Sie bildet nicht die Ausführungsqualität ab. Diese über viele Wertpapiere und Zeitpunkte hinweg zu messen, wäre ein eigenes Messverfahren mit eigener Infrastruktur — das betreiben wir nicht und behaupten es deshalb auch nicht. Wo Angaben eines Anbieters unklar oder nicht vergleichbar sind, schreiben wir das hin, statt eine Zahl zu erfinden. Wie wir insgesamt vorgehen, steht in unserer Methodik.

Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Maßgeblich sind die aktuellen Angaben und Bedingungen des jeweiligen Anbieters.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zu PFOF

Ist Payment for Order Flow in Deutschland noch erlaubt?+

Nein. Mit der Überarbeitung der EU-Verordnung über Märkte für Finanzinstrumente (MiFIR-Review, Verordnung (EU) 2024/791) hat die EU die Rückvergütung von Handelsplätzen an Broker für die Weiterleitung von Kundenaufträgen untersagt. Mitgliedstaaten, in denen die Praxis bereits bestand, durften eine Übergangsfrist bis zum 30. Juni 2026 nutzen. Deutschland hat diese Frist ausgeschöpft, seit dem 1. Juli 2026 gilt das Verbot auch hier.

Heißt das, Neobroker werden jetzt teurer?+

Nicht zwangsläufig, aber die Finanzierung verschiebt sich. Eine Ordergebühr von 0 oder 1 Euro war nie die vollständige Rechnung: Ein Teil der Vergütung floss über die Rückvergütung des Handelsplatzes. Fällt diese Quelle weg, müssen Broker die Lücke anders schließen — über Ordergebühren, Abomodelle, Entgelte der Handelsplätze, Zinserträge auf Kundenguthaben oder Zusatzprodukte. Welchen Weg ein Anbieter geht, steht in seinem Preis- und Leistungsverzeichnis.

Woran erkenne ich, ob ich einen schlechten Ausführungskurs bekommen habe?+

Vergleiche den Ausführungskurs deiner Order mit dem Kurs desselben Wertpapiers zur selben Zeit an einem Referenzhandelsplatz, in Deutschland üblicherweise Xetra. Die Differenz — der sogenannte Spread beziehungsweise die Abweichung vom Referenzpreis — sind deine impliziten Kosten. Bei einer Order über 1.000 Euro entspricht bereits eine Abweichung von 0,1 Prozent einem Euro und damit dem, was viele Broker als Ordergebühr verlangen.

Bewertet depot-test.com die Ausführungsqualität?+

Nein. Wir werten die veröffentlichten Konditionen aus. Ausführungskurse über längere Zeiträume und viele Wertpapiere hinweg zu messen, wäre ein eigenes Messverfahren, das wir nicht betreiben und deshalb auch nicht behaupten. Unsere Kosten-Teilnote bildet die veröffentlichten Gebühren ab, nicht die Kursqualität.